Susanne Hühn

Körper und Seele in Harmonie vereinen

1124 15. April 2014

Über das Seminare geben

Wie du dich als Seminarleiter selbst nährst und regenerierst

Zunächst möchte ich euch etwas ganz Grundsätzliches über das Seminare Geben sagen.

Es gibt eine sehr ungesunde Idee, die Kreise zieht: dass du, je „weiter“ du bist, immer größere Gruppen anbieten und halten, vor allem aber füllen kannst. So, als würde sich die Qualität deiner Arbeit an der Länge deiner Warteliste messen lassen. Es ist eine Art Konkurrenzkampf entstanden: Wer hält die größten Seminare, wie viel hatte der? Was, du hattest nur fünf, ja, so hab ich auch mal angefangen.

Neulich sagte mir einer, als ich erzählte, dass ich ein wundervolles Seminar mit acht Leuten gegeben habe und dass meine liebste Gruppengröße zwischen zehn und zwölf Leuten liegt: Ja, noch. Wenn du das ein paar Jahre machst, dann werden es mehr.

Na, danke fürs Gespräch, mein Lieber.

Leute. Ernsthaft. Das ist Seelenfängerei, Rattenfängertum.

Worum geht es denn wirklich?

Jeder von uns hat einen bestimmten Auftrag vom Leben, alles andere ergibt gar keinen Sinn. Wenn du Seminare geben willst, um bekannt zu werden, dann kann ich dich nur fragen, wem dienst du denn? Und hältst du das wirklich für wertvoll? Das ist wie Bücher schreiben wollen, um erfolgreich zu werden, was ist denn das für ein Ansatz?

Bist du aber voller Liebe, im Dienst an dem, was das Leben durch dich leben will, hast du dein inneres Kind gut versorgt und stehst als Priester oder Priesterin des Lebens zur Verfügung, dann werden genau die Menschen zu dir kommen, die jetzt und heute das brauchen, was du zu sagen hast. Lass dich nicht von den Massen blenden. Nur weil viele hingehen, ist es noch lange nicht gut. Aufgepasst, mach keinen Umkehrschluss! Nur weil viele hingehen, ist es aber auch noch lange keine oberflächliche Massenveranstaltung! Wähle sorgsam, wenn du schon nach anderen schaust, welche Sicht der Dinge du einnimmst und lass dich von deinem eigenen Wohlgefühl leiten. Ich meine auch immer, ich müsste Wunder weiß wie viele Menschen anziehen, wenn ich ein Seminar gebe. Dann fühle ich mich irgendwie unzulänglich und im schlechtesten Fall sogar neidisch. Ich wage mal zu sagen, dass es sehr vielen so geht, egal, ob sie drüber reden oder nicht. Es gibt immer einen, der noch größere Hallen füllt. Doch immer wieder spüre ich, nein. Ich ziehe genau die Menschen an, die das, was ich zu sagen und zu geben habe, heute brauchen und auch verarbeiten können. Mal viele, mal weniger, aber darum geht es einfach nicht. Natürlich ist es schwierig, kleine Gruppengrößen zu akzeptieren, wenn du davon leben willst, aber so ist es nun mal. Mach dir keinen Druck und definiere Erfolg ganz allein nur für dich.

Viele Menschen lassen sich blenden, folgen dem, der Heil verspricht, aber das sind Rattenfänger, ich sag das ganz deutlich. Wenn die Botschaft nicht tief aus dem gelebten Leben kommt, dann taugt sie nicht für den Alltag. Dann bekommst du einen Tag lang ein wundervolles Gefühl, es sei dir gegönnt, das darf auch sein. Das zieht sehr, sehr viele an, sollen sie. Dürfen sie. Du hast aber womöglich einen anderen Auftrag. Du bist nur einem einzigen Wesen verpflichtet, dem aber voll und ganz: deiner eigenen Seele. Ihr musst du, bildlich gesprochen, in die Augen schauen und wenn du das kannst, dann ist die Größe deiner Gruppe wirklich gleich gültig. Ob dreihundert oder drei, wenn du natürlich und aufrichtig bist, das, was  du vermittelst, nach bestem Wissen und Gewissen für dich anwendest, die Schritte gehst, die du auch deinen Teilnehmern zumutest, dann bist du auf dem einzig richtigen Weg, nämlich deinem. Lass dich nicht blenden, bitte, auch von mir nicht!

Mein Erfolg ist, das ich die Freiheit habe, heute, Montag, um 12.50 Uhr an meinem Küchentisch zu sitzen, meine Katze sitzt neben mir, ich trinke einen durch Spirulina sehr, sehr grün gefärbten Smoothie – hab ich mir eigentlich schon die Haare gekämmt – ich glaub fast, nein… und ich tu, was ich am liebsten tue. Darum geht’s. Nicht um den Status draußen. Sondern ob du dir die Freiheit erlauben kannst, zu tun, was dich zutiefst erfüllt. Und bereit bist, den Preis dafür zu zahlen.       

Du gibst also ein Seminar  – egal, wie groß oder wie klein es ist. Jedes ist gleich wertvoll, lass dir nichts anderes einreden.

Was bedeutet es, ein Seminar zu geben?

Du bist, wenn du ein Seminar gibst, für die Sicherheit des Raumes verantwortlich – aber auch für deine eigene Sicherheit. Du stellst dich zur Verfügung, bist für die nächsten Stunden oder Tage ganz und gar für die anderen da. Deshalb überprüfe zunächst, ob du alles hast, was du brauchst. Bist du gut untergebracht? Ist der Raum warm oder kühl genug? Hast du die passende Musik dabei, bist du bequem gekleidet? Ist dein inneres Kind gut versorgt und in Sicherheit, damit du wirklich für die anderen da sein kannst?

Hast du für dich selbst genügend Freiräume eingeplant, damit du dich regenerieren kannst? Und nicht zuletzt, ist dein Honorar angemessen, was immer für dich angemessen meint?

Bist du dir über das, was du brauchst, bewusst? Wenn wir zum Beispiel ein Urlaubsseminar geben, dann ist es für mich ernsthaft Stress, mit den Teilnehmern abends essen zu gehen. So gern ich die gemeinsame Zeit genießen würde, so wenig kann ich es, weil ich einfach aus der Rolle der Seminarleiterin nicht rauskommen kann – und es wäre meines Gefühls nach auch äußerst unprofessionell, abends die Freundin zu spielen und tagsüber wieder diejenige zu sein, die die Verantwortung hält. Das passt einigen Teilnehmern meiner Seminare nicht, das weiß ich, aber es ist einfach so. Letztlich wollen die meisten Teilnehmer, die dich „auch mal privat erleben“ möchten, einfach mehr von deiner Energie haben und das saugt dich aus. Wer dich wirklich persönlich meint, der respektiert deinen Wunsch nach Ruhe.

Wie du als Seminarleiter gut für dich sorgst, findest du im zweiten Teil des weiter unten gezeigten Buches!

In Seminaren lernen Teilnehmer nicht nur viel, sondern sie erfahren auch eine kurzzeitige Erhöhung ihres Energieniveaus. Sie bekommen potenzielle Energie zur Verfügung gestellt, um sich dauerhaft einen höheren Schwingungszustand zu ermöglichen. Doch potenzielle Energie ist genau das: ein Potenzial und noch keine aktive Handlung. Die Teilnehmer sind voller Euphorie und möchten alles Gelernte sofort in ihrem Alltag umsetzen. Doch weit entfernt von dem Wissen, dem Mitgefühl und der Aufmerksamkeit des Seminarleiters und der anderen Teilnehmer fallen sie doch oftmals wieder in Energietiefs. Susanne Hühn möchte den Leser – ob nun Seminarteilnehmer oder -leiter – dabei unterstützen, das Potenzial des erhöhten Energielevels auch im Alltag zu entfalten. Sie schlägt damit eine Brücke zwischen Theorie und Praxis und zeigt anschaulich anhand von Übungen, Meditationen und zahlreichen Beispielen aus ihrer langjährigen Erfahrung, wie Energie, die in Seminaren gewonnen wurde, alltagstauglich wird.

Übung

Liebe Leser,

oft werden Mike und ich am Ende eines Seminars gefragt: „Wie kann ich diese Energie im Alltag halten, habt ihr nicht einen Tipp?“ und jedes Mal bin ich ein wenig hilflos. Natürlich weiß ich, wie. Aber ich weiß nicht, wie ich euch dazu ermutigen kann, das auch zu tun. Denn immer dann, wenn ihr ein Seminar besucht, erhaltet ihr eine Energieerhöhung. Die Seminarleiter und manchmal auch die anderen Teilnehmer schenken euch ihr Wissen, ihr Mitgefühl, ihre Liebe, ihre Aufmerksamkeit, es geht um dich und nur um dich. Du bist anwesend, präsent, hast Raum, dich selbst zu spüren, brauchst dich nur um dich selbst zu kümmern, endlich einmal nur für dich dazu sein. Du bist unter Gleichgesinnten. Die laute Außenwelt mit ihren ungeheuren Anforderungen, Verwirrungen und Irrungen bleibt Außen vor, du bist in einem geschützten Raum, abgeschottet. Du bist, wenn du es chemisch ausdrücken willst, wie in einem Reagenzglas, unter besten Labor-Bedingungen und kannst fein säuberlich und in all der Zeit, die du brauchst, jene Reaktion vollziehen, die nun ansteht. Der Seminarleiter ist dein Katalysator.

Übung

Stell dir bitte deine Energie vor dem Seminar wie eine Lichtkugel vor, wie ein Energiefeld, es kann auch ein anderes inneres Bild sein, eine Landschaft oder was für dich passt, sogar ein Krafttier. Letztlich ist das alles immer ein Ausdruck von Energie, eben DEIN inneres Bild, welches ein Kraftfeld beschreibt. Lass es zu einer Energiekugel werden, die du in eine Hand nahmen kannst.

Und dann lass dir bitte gleichermaßen die Energie, die sich während des Seminars entwickelt hat, als ein anderes Bild zeigen, lass das Potenzial, das entstanden ist oder schon immer  da war und dir nun zugänglich wurde, als Bild vor deinem inneren Auge erscheinen. Lass es bitte sein, wie es ist, auch wenn du noch nicht alle Aspekte verstehst.  

Deine innere Wahrnehmung ist bei dieser Art von Arbeit dein wichtigstes Werkzeug, so vertrau dem, was sich zeigt. Bitte nun darum, dass dein eigenes Seelenfeuer dieses neue Bild überprüft, eventuell umformt, damit du wirklich nur das, was dir dienlich ist, was zu dir gehört, als heiles, reines Potential in dich aufnimmst. Wenn du magst, dann kannst du dieses neue innere Bild von der violetten Flamme der Transformation durchfluten lassen – damit eventuelle Projektionen und Unstimmigkeiten gelöscht werden. Wahrscheinlich aber ist dein neues Bild sowieso sehr kraftvoll, stimmig und heil. Lass auch dieses neue Bild zu einer Energiekugel werden, nimm sie in die andere Hand. Und dann bringe deine Hände zusammen, lass sich die beiden Aspekte berühren, überlagern, verschmelzen. Möglicherweise geschieht das blitzartig, vielleicht aber braucht es auch eine Weile oder kann heute noch nicht ganz geschehen. Je nachdem, wie groß der Energieunterschied zwischen dem alten und dem Neuen ist, kann es ganz leicht passieren oder es braucht eine Zeit der Anpassung, eine Art energetischen Druckausgleich.  

Du hast nun die Voraussetzung dafür geschaffen, dass sich deine Erkenntnisse im Alltag in die Tat umsetzen lassen.

Dazu ist wirklich wichtig, dass du erkennst, in welchen deiner Lebensbereiche du Energie verlierst. Denn das kann kein Seminar der Welt ändern, wenn du diesen Lebensbereich nicht änderst, verlässt oder akzeptierst und dich selbst neu organisierst. Und das macht es so schwierig. Viele Teilnehmer wollen eine Energieerhöhung – und die soll dann bitte stabil bleiben, sonst hat das Seminar nichts genutzt. Wir geben euch Impulse, Energie, Erkenntnisse, Raum. Wenn du diese Erkenntnisse aber nicht in dein gelebtes Leben umsetzt, sie nicht in echtes Leben verwandelst, dann verschwindet die Energie irgendwann. Du gibst deine Energie nach und nach ab, statt sie zu nutzen, um deine Umstände zu ändern. 

Wie kann ich die Energie in meinem Alltag wirksam werden lassen, wie kann ich meinen Alltag so verändern, dass sich das höhere Niveau stabilisiert?

Denn die Antwort auf die Frage, wie du die Energie halten kannst, hast du schon tausend Mal gehört. Ändere deine Umstände und unterscheide sehr genau, welche Umstände deinem Leben dienen und welche nicht – ändere oder verlasse sie. Finde heraus, was dir in deinem Alltag Energie raubt und ändere es oder gehe.

Das weißt du und könntest du deine Umstände ändern, wüsstest du, wie, bräuchtest du dieses Buch nicht. Denn die Antwort ist wirklich ganz einfach.

So ist die Frage, die dich bewegt, wahrscheinlich eher diese hier:

Wie kann ich trotz all dem, was sich in meinem Leben breit gemacht hat, all den schwierigen Situationen, Menschen, all den Abhängigkeiten und dem Gefühl der Ohnmacht, wie kann ich dennoch zum Schöpfer meiner eigenen Wirklichkeit werden und mein Leben umgestalten? Wie kann ich all die Werkzeuge, die ich bekommen habe, nutzen?

Zunächst mal, und das ist das Schwerste: Es liegt an dir, sie zu nutzen. Wir können nichts, wirklich gar nichts für dich tun, wenn du sie nicht nutzt. Ich gebe dir in diesem Büchlein Übungen und Wege, mit denen du deine Energie Stück für Stück auch nach einem Seminar erhöhen kannst. Aber ANWENDEN musst du sie selbst, und wenn dir das noch so schwer fällt. Ich gebe ganz viel Energie in dieses Büchlein hinein und du kannst sie sehr gern für dich nutzen, aber es ist wieder nur potenzielle Energie – du entscheidest, ob und wie du sie anwendest.